ErfahrungsberichtRevier

Kitzrettung mit Rauchmeldern

Gestern gegen Mittag erreichte mich eine WhatsApp des Landwirtes, dass er heute die Wiesen im Revier mähen möchte. Mein erster Gedanke: Perfekt – die Kommunikation funktioniert ja schon einmal, nachdem man sich vor kurzem erst als neuer zuständiger Jungjäger vorgestellt hat. 

Nun stellte sich mir die Frage, ob neben der klassischen Absuche der Wiesen mit dem Hund auch noch andere Mittel hilfreich sein könnten. Eine Drohne (bestenfalls sogar mit Wärmebildkamera) steht mir nicht zur Verfügung (jedoch ein guter Anlass für das nächste Mal zu recherchieren, ob es hier in der Region so ein Ding zu leihen gibt). Aber ich hatte mal von erfolgreicher “Kitzvergrämung” mit einem Rauchmelder gehört. Nach dem Motto “Versuch macht klug” bin ich auf dem abendlichen Weg zum Revier noch einen Schlenker zum Baumarkt gefahren und hab vier Rauchmelder (gab’s als Set), Kabelbinder, Muttern (komme ich später noch zu), Bambusstäbe und Mülltüten gekauft. Das ganze hat knappe € 40,- gekostet und wenn es funktioniert, ist es jeden Cent wert!

Im Revier angekommen hab ich mir zunächst einen Überblick verschafft und die Standorte der vier Rauchmelder festgelegt. Ob diese die ca. 25 Hektar komplett abdecken und effektiv sind wird sich zeigen, die Aufstellorte habe ich jedenfalls so gewählt, dass diese auf kleinen Erhebungen stehen und so der Schall weiträumig verteilt wird. Da die ganze Wiesenfläche in einem Tal liegt, könnte das klappen.

Der Landwirt wurde na klar über diese Aktion informiert und ist selbst gespannt wie effektiv das ganze ist, da er diese Methode bisher auch noch nicht kannte.

Nu ging es ans Basteln, denn irgendwie sollen die gekauften Einzelteile ja einen Sinn ergeben und ein Praxistest musste beweisen, dass meine Idee, die Rauchmelder auf Dauerbetrieb zu überbrücken, auch wirklich funktioniert. Hier kamen nun die oben erwähnten Muttern ins Spiel. Jeder Rauchmelder hat eine Kontrolltaste um zu überprüfen, ob dieser fehlerfrei funktioniert. Also zunächst Batterie rein, Taste gedrückt und ja, das Ding hat mich mit einem ohrenbetäubenden Lärm angeschrien (…oder angepiepst?). However – jedenfalls funktioniert er. Nun der Plan: die Mutter auf diese Taste legen und mit einem Kabelbinder so stramm fixieren, dass die Taste eingedrückt wird und der Rauchmelder dauerhaft piept. Und was soll ich sagen – ja es hat geklappt. Dann das ganze in den Müllbeutel zum Schutz vor Regen, mit einem weiteren Kabelbinder an den Bambusstab befestigt und ab damit auf die Wiese.

– Zwei Videos gibt’s ganz unten in diesem Artikel –

Da aber die ganze Zeit über Vollalarm war und der Fußweg zum Standort auf einmal recht lang erscheint freut man sich, wenn man sich schnell wieder nach dem Aufstellen von dieser Schreihalskonstruktion entfernen kann. Ist in jedem Fall tinnitusfreundlich auf Distanz zu bleiben 😉

Ja Distanz, noch so ein Stichwort… Einige Meter entfernt war das edle Konstrukt zwar definitiv noch hörbar, jedoch nicht mehr so gut sichtbar. In meiner “Schweißarbeits-Übungskiste” auf der PickUp-Pritsche hab ich glücklicher Weise noch eine Forst-Markierspraydose dabei. [Die benutze ich sonst (…auch in “Marke Eigenbau”-Manier) dazu, kleine Fingerfood-Holzsticks besser sichtbar zu machen und diese als Markierung der Schweißfährte in den Boden zu pieksen. (siehe Foto) Falls mal einer vergessen wird macht das nix, da Holz ja bekanntlich verrottet]. Naja, nun also nochmal ab auf die Wiese und alles angesprayt und das dunkle Plastiktüten-Lila in sichtbares Neonorange verwandelt, sodass der Bauer bei der Mahd nun auch meine Konstruktion vom Traktor aus erkennt und zuvor entfernen kann.

Zu guter letzt haben meine Partnerin und ich noch unseren beiden Hunde in die Quersuche geschickt und sind die ganze Fläche abgelaufen. Weder mein Griffon Bleu de Gascogne Rüde Bruno (@brunothebleu), noch ihre Kleine Münsterländer Hündin Emma (@wildfang_emma) konnten ein Kitz ausfindig machen. Lediglich einige Hasen fanden die Aktion mäßig gut und haben das Weite gesucht….

Heute werde ich nachsehen, ob diese Aktion (hoffentlich) erfolgreich war und kein Rehkitz zu Schaden gekommen ist. Ich werde darüber in einem kleinen Update zu diesen Beitrag berichten.

+++++++ UPDATE 23.05.  +++++++

Kein Kitz kam zu Schaden!!! 👍🏼 Nach Rücksprache mit dem Landwirt und auch eigener Kontrolle der gemähten Flächen war die Aktion offensichtlich ein voller Erfolg.  So soll es sein und so schafft man Akzeptanz für ein partnerschaftliches Zusammenwirken bei zukünftigen Aktivitäten im Revier. Ich bin sehr zufrieden und der Aufwand hat sich allemal gelohnt.

Hintergrund: Ricken, also weibliche Rehe, legen ihren Nachwuchs (die Rehkitze) gerne in hohes Gras ab, da sie dort gute Deckung finden. Die Kitze verharren dort nahezu regungslos und die Mutter sucht diese einige Male am Tag auf, um sie zu versorgen. Leider kann es beim Mähen der Wiesen dazu kommen, dass die Kitze – da für den Landwirt vom Traktor aus nicht sichtbar – tragischer Weise ins Mähwerk geraten und tödlich verunglücken oder schwerst verletzt werden, was leider auch meistens ein tödliches Ende nimmt.

Eine gute Zusammenarbeit zwischen den Landwirten und Jägern kann helfen, gemeinsame Rettungsaktionen zu organisieren und die Wiesen zuvor abzusuchen. Sollte ein Kitz gefunden werden, kann dieses behutsam (und nie direkt berühren!) an einen nahe gelegenen, sicheren Ort transportiert werden, wo es die Mutter wieder aufsuchen kann.

Versuche mit Rauchmeldern haben gezeigt, dass – wenn dieser die Nacht vor der Mahd installiert wird – die Ricken ihre Babys an andere Orte weit weg vom nervigen Piepton führen.

Natürlich gibt es auch viele weitere Methoden und Empfehlungen – Infos hierzu hat natürlich Google und auch Grube bietet eine informative Webseite

 

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